ABSENCE-OF-FEAR.DE

Es gab mal eine Zeit, da hatte man viel Geld. Sehr viel Geld. Man baute sinnlose U-Bahnen wie in Ludwigshafen und verpulverte das Geld in Vorleistungen für Strecken, die in zwanzig Jahren oder später irgendwann auf der Bauagenda stehen. Und so stehen heute viele dieser Tunnel unbenutzt herum. Teilweise sind diese mit Wasser vollgelaufen, teilweise anderweitig verwendet.
Aber das ist noch nicht alles: Einige Stationen wurden im Zuge des Kalten Krieges so hergerichtet, dass sie im Falle eines nuklearen Angriffs als Bunker herhalten können.

Diese (noch unvollständige) Liste versucht, diese Bauvorleistungen zusammenzufassen.

Europa

Amsterdam
Die Tram-Strecke nach Ijburg war als Metro geplant, dafür wurde unter dem Hauptbahnhof ein Tunnel gebaut. Quelle

Antwerpen
Circa acht Kilometer Premetro-Tunnel sind im Rohbau fertig und sollen im Rahmen des "Pegasus-Plans" in den nächsten Jahren eröffnet werden. Bislang scheitert die Nutzung der bestehenden Anlagen daran, dass keine Wendeschleifen vorhanden sind und die Premetro mit Einrichtungswagen fährt. Sehr interessante Bilder aus den Tunneln gibt es in diesem Bilderalbum.

Athen
Auf der Metro-Strecke zum Flughafen gibt es eine Vorleistung für einen unbekannten Abzweig. Bildlink (Google Maps)

Barcelona
An der Station Sagrada Familia sollten ursprünglich die Metro-Linien L2 und L5 ihre Äste tauschen, dafür wurde östlich der jetzigen Station der L5 eine weitere Station im Rohbau errichtet. Im Tunnel sieht man den geplanten Abzweig.
Zwischen den Stationen Jaume I und Barceloneta war bis in die 70er Jahre die Station Correos, die auch gleichzeitig als Endstation der Linie fungierte. Dann wurde die Strecke erweitert und die komplette Station aufgegeben. Im Streckentunnel Richtung Osten sieht man jedoch noch die Tunnelwände. Hier sieht man einige Langzeitbelichtungen der Stationsreste.

Berlin
Hier hat die Bauwut zugeschlagen und ich verweise auf den exzellenten Abschnitt des Wikipedia-Artikels der U-Bahn Berlin.

Bilbao
Für einen eventuellen Ast der Metro-Linie nach Sondika zum Flughafen wurde schonmal der Anschluss hergestellt, allerdings ist die Strecke bisher nicht elektrifiziert. Bildlink (Google Maps)

Brüssel
Jeder Pré-Metro-Bahnhof ist so aufgebaut, dass er theoretisch irgendwann einmal auch von der Bahnsteighöhe und -länge her eine richtige Metro aufnehmen könnte. Deswegen muss man von der Rolltreppe aus immer noch einige Stufen zum Bahnsteig runter steigen. Ist nicht wirklich rollstuhlfreundlich, aber im belgischen Bauwahn der 80er so gewollt...
An der Station Sint-Guido gibt es ein weiteres Untergeschoss für eine kreuzende Metrolinie, die gebaut werden sollte (Quelle).
Weitere "Stations fantômes" gibt es in den Stationen Bruxelles Midi, Louise, Botanique und Simonis: Bilder.
Zwischen den Stationen Ribaucourt und Yser befindet sich die Station Sainctelette, die nie eröffnet wurde, da die Abstände zu den beiden anderen Stationen zu knapp sind (Quelle).

Bochum
Hinter der Endstation Hustadt der U35 geht die Trasse noch weiter in die Botanik. Hier war mal eine Weiterführung nach Witten im Gespräch (Bildlink (Google Maps)).

Bonn
Der Hauptbahnhof hats in sich: Neben einer (angeblich) vergessenen alten Straßenbahn in einem Tunnelstutzen, der einmal für die Hardtbergbahn dienen sollte, existiert unter der Station auch ein Bunker.

Charleroi
Krank, aber wahr: In den 80ern baute man zwei Strecken (nach Soleilmont und nach Centenaire), bis man feststellte, das man dafür gar nicht mehr das Geld und die Passagierzahlen hat, diese zu betreiben. Während die Strecke nach Centenaire so gut wie betriebsfähig ist (vom wuchernden Unkraut abgesehen) und man auch schon Probefahrten unternahm, ist die andere nur im Rohbau fertig. Die Strecke nach Gosseiles wurde, obwohl sich dort der Betriebshof befindet, nie im Passagierbetrieb befahren. Hier gibt es eine nette Reportage über eine Begehung der Strecke nach Centenaire und Hier die Strecke nach Soleilmont.
In der Innenstadt existiert auch schon die Station Tirou im Rohbau, allerdings wird diese bislang nur als Abstellanlage genutzt.
In den nächsten Jahren sollen die Strecken allerdings teilweise eröffnen, der quasi fertiggestellte Ast nach Centenaire wird aber immer noch nicht benutzt werden...

Duisburg
Die Station Angerbogen wurde in den 70ern als Rohbau fertiggestellt, das Wohngebiet um die Station wurde allerdings nie gebaut. Aus diesem Grund rauschen die Züge seit jeher hier durch (Quelle)
Unter dem Lutherplatz existiert direkt hinter der Rampe schon der Bahnhof "Castanjen-Garten" im Rohbau für die Weiterführung des Tunnels in Richtung Mülheim/Ruhr (Quelle und Bilder (benötigt Anmeldung)).
Die Station König-Heinrich-Platz ist dein ABC-Schutzbunker (Quelle).

Düsseldorf
Die Station Heinrich-Heine-Allee hat für die Wehrhahnlinie eine weitere Ebene, die jetzt für diese verwendet wird.

Frankfurt am Main
In den 60ern plante man für Frankfurt diverse Autotunnel, aus diesem Grund haben die Stationen Konstablerwache und Miquel-/Adickesallee Hohlräume für diese. In letztgenannter kann man diesen sogar besichtigen: Es ist die B-Ebene.

Glasgow
Die Station Merkland Street wurde nach der Restaurierung des kompletten Systems in den 70ern aus Platzgründen nicht umgebaut und wurde stillgelegt (Quelle).

Hamburg
Der ländliche Nordosten sollte in den Anfängen des 20. Jahrhunderts eine Bahnanbindung bekommen, diese ging aber erstmal nur bis Großhansdorf. Die Station Beimoor wurde nur als Rohbau fertigggestellt (Quelle).
Für die ursprüngliche Planung der U4 wurden die Bahnhöfe Jungfernstieg und Hauptbahnhof Nord mit jeweils vier Gleisen ausgestattet, von denen nur die inneren Gleise für die U2 genutzt wurden. Wenigstens am Jungfernstieg werden die Gleise jetzt für die "neue" U4 genutzt.
Weitere Vorleistungen für die U4 gibt es am Bahnhof Hamburg-Altona (Quelle).
Zivilschutzbunker existieren unter anderem am Bahnhof Jungfernstieg, Harburg Rathaus sowie am Hauptbahnhof Nord.

Hannover
Die bekannteste Bauvorleistung ist der D-Tunnel an der Station Hauptbahnhof, der schon im Rohbau beim Bau der restlichen Stadtbahnstrecken fertig gestellt wurde. Gelegentlich werden dort auch Führungen angeboten (Quelle).

Helsinki
Unter der Station Kamppi gibt es einen Hohlraum für eine kreuzende Metrostrecke (Quelle mit Umgebungsplan). Des weiteren gibt es in der Station Hakaniemi einen parallelen Hohlraum für eine zweite Station, ebenso in Kaisaniemi (Quelle).
In den 60ern wurde schon einmal fernab der jetzigen Strecke im Munkkiviori-Einkaufszentrum eine Station im Rohbau fertig gestellt und nie genutzt (Quelle).

Kassel
Die ehemalige Straßenbahn-Tunnelstation am Hauptbahnhof ist jetzt als Abstellanlage mehr oder weniger in Betrieb.

Kiev
Die Station Lvivska Brama wurde in den 90ern mitgebaut, allerdings aus Kostengründen noch nicht eröffnet. Dies soll jetzt nachgeholt werden.

Köln
Unter der jetzigen Stadtbahnstation Bahnhof Deutz/Messe existiert eine weitere Ebene für eine Linie in Nord-Süd-Richtung (Quelle und hier gibt es auch bewegte Bilder dazu) und unter der Station Heumarkt, die gerade gebaut wird, entsteht ein Rohbau für eine eventuelle Ost-West-Linie.
Die Stationen Kalk Post und Rudolfplatz besitzen Zivilschutzbunker (Quelle).

Krefeld
Die Stadt hat zwar keine U-Bahn, hat aber in den 70ern mal aus Spaß zwanzig Meter Tunnel unter dem Hauptbahnhof gebuddelt (Quelle). Toll, oder?

Liège
In den 80ern wollten die Belgier im Bauwahn natürlich auch in Lüttich eine Metro bauen. Man baute 500 Meter Tunnel inklusive einer Rampe, in der heute alte Straßenbahnen und Busse abgestellt bzw. konserviert werden. Hier sind einige sehr interessante Bilder zu sehen.

Liverpool
Liverpool hat eine Metro? Nein, hatte einmal! Die
Liverpool Overhead wurde 1956 stillgelegt, es gibt aber immer noch einige Relikte dieser Bahn. Am Interessantesten ist Dingle Station, die jetzt als unterirdisches Parkhaus genutzt wird.

London
Hier gibt es einige Vorleistungen von Stationen, die nie eröffnet wurden. Eine Zusammenfassung dieser befindet sich hier bei Wikipedia.
Als in den 80ern die Station Heathrow Terminal 4 eröffnet wurde, baute man gleich einen Tunnel in Richtung Heathrow Terminal 5 weiter. Dieses befand sich in der ursprünlichen Planung allerdings südwestlich vom Terminal 4 und man hat bis heute keine Verwendung für diesen, da der Komplex 2009 im Westen des Flughafens eröffnet wurde.

Leipzig
In den 30er Jahren wurde schonmal versucht, die Innenstadt zu untertunneln. Aus dieser Zeit stammen Relikte wie die Tunneleinfahrt im Hauptbahnhofsvorfeld sowie ein Tunnel unter dem Hauptbahnhof (Link zu Google Maps), welches dann als Kino genutzt wurde.

Ludwigshafen
Unter dem sowieso komplett sinnlosen Stadtbahntunnel, der inzwischen auch stillgelegt ist, hat man gleich auch mal einige Tunnel für eventuelle Abzweige mitgebaut (Quelle).

Madrid
Einige Stationen der aktuellen Metro-Erweiterungen sind schon quasi fertiggestellt, aber aufgrund fehlender Bebauung noch nicht eröffnet. Beispiele sind z.B. Arroyo del Fresno sowie einige auf der MetroSur.

Moskau
Gerüchte ranken sich um die sogenannte "Metro 2", ein spezielles Metrosystem für Regierungsmitglieder, ausgehend vom Kreml. Dieses soll bis zu 150 Kilometer lang sein und auch den Flughafen Wnokowo sowie diverse Militärstützpunkte bedienen (Quelle).
Natürlich gibt es auch einige Stationen im Rohbau, wie zum Beispiel die Station Spartak.

München
Zwischen Rosenheimer Platz und Ostbahnhof ist bei der S-Bahn ein Tunnelstutzen mitgebaut worden, der eine Streckenführung Richtung Neuperlach erlauben sollte (Quelle).

Nürnberg
Für die geplante U4 wurden in den 70ern und 80ern einige Stationen so gebaut, dass sie diese aufnehmen können. Diese Bauvorleistungen bestehen zum größten Teil nur aus freigelassenen Flächen in den U-Bahnhöfen Aufsessplatz und Plärrer. Die Abstellrampe Ziegelstein ist so verlegt, dass zu einem späteren Zeitpunkt hier eine Rampe Richtung Gräfenbergbahn gebaut werden kann (Quelle).
In der Station Hauptbahnhof existiert ein Zivilschutzbunker.

Oslo
Die Stationen Valkyrie Plass und Volvat (Eingang zur Station) waren mit 40 Metern Bahnsteiglänge zu kurz und wurden stillgelegt (Quelle, Bild der Station früher, Bild der Station heute).

Paris
Die interessanteste Bauvorleistung, die nie in Betrieb ging, ist die Verbindung der Linien 3bis und 7bis aus den 20er Jahren zwischen den Stationen Place des Fêtes und Porte des Lilas. Die Strecke hat auch einen Bahnhof mit einem einzigen Bahnsteig, Haxo, der nie eröffnet wurde und auch keinen oberirdischen Zugang hat. Diese Seite bietet auch einen Gleisplan, um sich das ganze besser im Bild vorzustellen. 2014 soll, nach fast 100 Jahren, die Verbindung zwischen beiden Metrolinien endlich eröffnet werden.
Eine weitere Geisterstation ist Porte Molitor, die eigentlich das Prinzenparkstadion erschließen sollte und jetzt als Abstellanlage dient.
In La Défense besteht seit den 70ern eine Vorleistung für eine Metrostation der Linie 1, die allerdings 100 Meter weiter südlicher gebaut wurde und irgendwann einmal für die RER verwendet werden könnte.

Rotterdam
Hinter der Station Schiedam Centrum besteht eine Wendeanlage mit möglicher Weiterführung Richtung Hoek van Holland (Bildlink auf Google Maps, Quelle).

St. Petersburg
Auf der Frunzensko-Primorskaya-Linie existiert die Station Admiralteyskaya als Bauvorleistung (Quelle).

Stockholm
Die Station Kymlinge, südlich der Station Kista entlang der Blauen Linie, ist im Rohbau fertig, allerdings kam der Eröffnung ein Naturschutzgebiet dazwischen. (Quelle und Luftbild)

Valencia
Keine wirkliche Vorleistung, allerdings ist die Strecke von Manises nach Riba-Roja bis 2005 eine Cercanias-Linie gewesen und hat die Option zur Metro-Linie umgebaut zu werden.

Amerika

New York
Am Interessantesten ist der City Hall Loop, allein von der Architektur der Station her. Sie erinnert an die der Berliner U-Bahn. Zu schade, dass es dort nicht mehr Stationen in dem Stil gibt. Eine komplette Liste aller aufgegebenen U-Bahnhöfe und Bauvorleistungen findet man hier.

San Francisco
Die Station Eureka wurde bis 1972 als "Eingang" für den Twin Peaks Tunnel genutzt und wurde nach Eröffnung des kompletten Stadtbahntunnels stillgelegt. Man sieht diese aber noch im Tunnel (Quelle).

Toronto
Unter dem jetzigen Bahnsteig der Station Bay ist eine weitere Ebene, die in den 60ern für wenige Monate genutzt wurde, die Station ist noch voll einsatzfähig (Quelle).
Ebenso gibt es unter der Station Queen Street eine Bauvorleistung für eine unterirdische Straßenbahnhaltestelle (Quelle).

Asien

Bangkok
In den 90ern sollte aus der Innenstadt zum (jetzt ehemaligen) Flughafen Don Muang eine Hochbahn gebaut werden. Die Stützen wurden teilweise angefangen, dann kam die Asienkrise und aus dem Projekt wurde nichts. Und der Flughafen ist seit einigen Jahren auch zu (Quelle).

Hong Kong
Für eine eventuelle East Kowloon Line wurde in den 80er die Station Rumsey Street in der Station Sheung Wan mitgebaut, die allerdings nicht die komplette Länge beinhaltet (Quelle). Die Station Diamond Hill wurde aus diesem Grund ebenfalls etwas breiter als üblich gebaut.

Kuala Lumpur
Als Bauvorleistung wurde die Station Sri Rampai der LRT mitgebaut, soll aber demnächst eröffnet werden (Quelle).

Singapore
Die Station Woodleigh der North East Line wurde komplett bei Eröffnung der Linie mitgebaut, ist aber aufgrund fehlender Bebauung noch nicht eröffnet. Diese soll dann 2011 stattfinden (Quelle).


Navigation